Mai 2005:
 
  Endlich sind die 30 Bäume oberhalb der Albula-Straße fertig. Immerhin haben die großen Bäume bis zu 90 Äste – bis zu 2,5 Stunden dauert die Belaubung von so einem Baum. Ein bisserl individuell sollen's schon ausschauen, schliesslich sehen die Bäume in der Natur auch kaum aus wie von der Stange – wobei man bei Fichtenmonokulturen schon mal seine Zweifel bekommen kann. Wie auch immer –ich finde, die langwierige Arbeit hat sich gelohnt. Eine neue Erfahrung für mich ist, auch ganz kleine Nadelbäume als Modelle nachzubilden. Meist sieht man auf Modellanlagen groß konfektionierte Bäume – bildet man nun auch kleine Bäumchen, etwa in Preiser-Männchen-Größe nach, wirkt die Modellnatur gleich viel authentischer. Besonders reizvoll wirken Kontraste wie große und kleine Bäume, Wald und lockere Baumgruppen oder einzelstehende Bäume und ganz eng zusammenstehende Bäume, deren Kronen von weitem wie eine einzige Silhouette erscheinen. Durch den von der Albula-Straße abzweigenden Feldweg und dessen Kreuzung mit dem Wanderweg ergeben sich schöne Blicke aus diversen Perspektiven durch die Bäume – im Original ebenso wie im Modell.  
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  März/April 2005:
 
  Es geht mir beim Bau dieser Albula-Brücke auch darum, die Landschaft im Modell wiedererkennbar nachzubilden. Vorbildfotos leisten mir Hilfe beim Bau der Bäume und deren Aufstellung im Gelände, was nicht ganz einfach ist, denn die Perspektiven zwischen Modell und Vorbild sind nicht ohne weiteres unter einen Hut zu bringen. Vor allem musste ich mal einsehen, daß die Bäume wesentlich schlanker zu gestalten sind, als gewohnt.  
 
 

Beim Aufstellen der Baumrohlinge (Zitat eines Besuchers: schaut aus wie Waldsterben) wurde gleich klar, daß ich manches verkürzt darstellen muss, weil der Platz in der Tiefe fehlt. Trotzdem scheint mir schon jetzt, in der Phase "Waldsterben", der Eindruck könnte nach der Begrünung dem Vorbild ziemlich nahe kommen. Mir geht es um gewisse Durchblicke und Perspektiven, die mir gefielen beim Wandern durch das Albulatal.

Löten der Rohlinge und Stellproben für die Bewaldung gestalten sich unerwartet langwierig. Allein auf der kleinen Fläche oberhalb der Straße stehen jetzt schon 30 Bäume. Ich schätze, daß das Albula-II-Modul auf einer Fläche von 150 x 50 cm insgesamt mehr als 100 Bäume erhalten wird.

 
 
  Beim Durchsehen der Dias hat es mich doch gewurmt, daß der Platz nördlich der Brücke recht knapp bemessen ist auf meinem Modul. Diese Situation mit dem Weg durch das Wäldchen sollte doch mit auf die Anlage. Auf den folgenden beiden Bildern mit den Drahtmodellen sieht man, was mir einfach nicht gefallen wollte: zwar hatte ich einen Baum nachgebildet mit Ästen bis fast zum Boden, jedoch der besondere Charme des Durchblickes und der Wanderweg-Markierung am Baumstamm – es musste einfach noch mit einbezogen werden. Also habe ich noch die beiden hinteren, nahe beieinanderstehenden Bäume gelötet und gedrillt. Einfach mal sehen, ob sich mit "Schiebung" was machen lässt, notfalls könnte ich die Bäume auch anderweitig auf der Anlage verwenden.  
 
 

So hat die Chose im Drahtmodell-Zustand zunächst ausgesehen.

By the Way - heute beim Wandern ist mir aufgefallen, daß Tannenzapfen, wenn sie von Eichkatzerl auseinandergezupft sind, eine schöne Farbe für Waldboden ergeben könnten. Also werde ich mal reife Tannenzapfen mahlen …

 
 
  Auch die Wurzeln auf dem Wanderweg sollen nachgebildet werden. Sowas ist typisch für Wanderwege im Gebirge - abgetretene Wurzeln an der Bodenoberfläche. Übrigens habe ich mir eingebildet, nach dem Abtauen des Schnees etwas Lärchenwaldboden einsammeln, trocknen und mahlen zu können. Pfeifendeckel, denn von den Nadeln ist nach einem Winter nurmehr wenig übrig. Am besten sammelt man Naturmaterialien aus Wäldern mit laubabwerfenden Bäumen im Herbst, denn dann ist alles frisch, vor allem die Farben.  
 
 

Die nächsten beiden Galerie-Bilder zeigen also die drei Bäume, die ich wichtig finde, um den Eindruck der Vorbildsituation annähernd wiederzugeben.

Die Begrünung der Baumgerippe und somit der Fortschritt der Arbeiten an der Anlage richtet sich nunmehr, ab April, nach den Erfordernissen der Gartenarbeiten draußen vor der Haustüre. Ausserdem werde ich wohl erstmal eine Anlagenbeleuchtung anbringen, denn die ersten begrünten Koniferen zeigen – es wird dunkel im hinteren Anlagenbereich. Und nicht zu vergessen – die Wandersaison beginnt, somit auch einige "Studien" am Vorbild – mich bizzelt halt doch eine spezielle RhB-Brücke. Daher wird der Modellteil dieser Site über das Sommerhalbjahr vermutlich nicht oft aktualisiert, Vorbildbilder allerdings habe ich en masse. Aber die kommende Intensiv-Modellbahn-Saison kommt sicher ...

 
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  2004:
 
  Zum möglichst originalgetreuen und maßstäblichen Nachbau der Brücke war das Buch "Technische Bauten schmalspuriger Gebirgsbahnen" von Schweers und Wall hilfreich. Selbstverständlich war noch das Fotografieren verschiedenster Details nötig, wie etwa die Schutzmauer vor Unterspülungen am Hauptbogen-Pfeiler oder die kleinen, etwas versteckt liegenden Zugänge an die Pfeilerfundamente. Die Hauptabmessungen wurden auf 10mm Pappelsperrholz aufgezeichnet. Zum Aussägen habe ich zwei Sperrholzplatten übereinander gelegt.  
  Und dann "nur" noch zusammenleimen. Zuvor allerdings gab es noch etliche Zwischenstücke, beidseitig oben enger werdend, zu sägen. Die Pfeiler werden schliesslich zum Fundament hin breiter. Ohne präzise Tischkreissäge kaum exakt zu bewältigen. Einfach auf ein paar Fahrzeuge verzichten. Es gibt recht gute Sägen (mit Werkstatt-Staubsauger) schon zum Preis von 3 oder 4 Bemo-Normalserien-Lokis. – Nicht vergessen beim Planen: Es muss ja noch mindestens 2mm Gips allseitig aufgetragen werden.  
 

Ich habe mich dazu entschlossen, die Brücke so zu bauen, daß die Pfeiler unten keine Chance haben, sich beim Gipsen zu verziehen. Am Fundament habe ich durchgehend noch einige Zentimeter Holz stehen lassen. Das gibt der Brücke insgesamt eine gute Stabilität. So schaut das Ganze am Ende aus wie ein Kasten und ist nach allen Richtungen hin verwindungssteif. Also kann die Feuchtigkeit des Gips dem Brückenrohling kaum etwas anhaben.

Zum Gipsen sind Kartonschblonen empfehlenswert, denn sie ermöglichen exakte Konturen. Ich habe zu diesem Zweck einen schweren Aquarellkarton genommen, den kann man sogar mehrmals verwenden.

 
  Etwas für Alchimisten: Nach schlechten Erfahrungen bei Versuchsstücken habe ich eine Rezeptur ausgetüftelt in der Hoffnung, daß sie nicht so hart und spröde wie Gips ist. Dem Gips habe ich etwa ein Viertel Moltofill beigegeben. Vor dem Auftrag des Gipses auf das Holz hat es sich bewährt, es mit Holzleim einzupinseln. Sobald der Leim etwas angezogen hat, kann man die Mischung auftragen. Diese ist mit Leimwasser angerührt. Um Stein-Struktur zu erhalten, abschliessend mit einem Borstenpinsel Gemisch aufstupfen. Zu diesem Zweck habe ich ein Leimwasser mit hohem Leimanteil zubereitet. Dem möglichen Abplatzen beim Steinritzen kann vor dem Stupfen noch dadurch vorbeugend begegnet werden, indem man die glatte Gipsoberfläche etwa mit einer alten Holzraspel behutsam anrauht. Vor dem Stupfen leimen ist nicht empfehlenswert, falls man später mit Aquarellfarbe einfärben möchte, denn beim Ritzen kommt man garantiert stellenweise auf diese Leimschicht. Die stösst Wasser ab und es hilft auch keine Ochsengalle mehr als Netzmittel.  
  O.K. und dann geht das Fugenritzen los. Bei einer Brücke dieser Größe dauert das schon ein bisserl. Für die Bogenmauerung fertigte ich eine Schablone. Einige Fotos halfen mir beim nächsten Schritt: Steine einer Bogen-Mauerung zählen, um annähernd maßstabgetreue Steingrößen zu erhalten. Ich habe nun nicht jeden Stein exakt wie beim Vorbild geritzt - mir kam es aber darauf an, daß später alles stimmig wirkt. Es gibt so einige Kleinigkeiten, wie z. B. die drei rötlich gefärbten Steine im Bogen auf der Südseite, gleich dort, wo der Wanderweg verläuft und die Wanderwegmarkierung angebracht ist. Bei sowas darf man ruhig "kleinlich" sein, denn das sind die Details, welche die Wiedererkennbarkeit ausmachen. Der Rest bleibt dann wieder der Routine oder der "schöpferischen Freiheit" überlassen.  
  Vom Einfärben des Brückenmodells gibt es keine Bilder. Doch einige Tipps an dieser Stelle: Grundsätzlich färbe ich den Gips mit Aquarellfarbe der Firma Schmincke. Dabei achte ich auf Lichtbeständigkeit der höchsten Klassen, was bei Erdfarb-Tönen wie Goldocker, Umbra gebrannt und natur sowie Elfenbeinschwarz (dies Schwarz ergibt einen schönen warmen Ton) gegeben ist. Alle Farben werden mit viel Wasser in kleinen Marmeladegläsern verdünnt und für die Zeit des Färbens darin aufbewahrt. Ochsengalle als Netzmittel nicht zu vergessen.  
  Die menschliche Haut gibt immer geringe Mengen Fett ab und beim Steineritzen überträgt sich dieses auf gewisse Stellen. Vorwiegend an Mauerkanten. Also pinsle ich den Gips vor dem Farbauftrag mit Isopropanol ab und löse somit alles, was Aquarellfarbe abweist. Es werden keine Mischfarben aufgetragen, dafür jeder Ton für sich extra. Je stärker die Farbe verdünnt ist, desto besser lässt sich in schichtweisem Auftrag der Ton mit feinen Lasuren steuern. Ein paar Originalsteine aus der Umgebung der Brücke dienen als "Farbkarte". Man kommt mit den genannten 4 Farbtönen absolut dem Original nahe. Auf jeden Fall an Gipsabgüssen testen. Es gibt übrigens Unterschiede bei der Farbaufnahme je nach gespachteltem, gestupftem – und besonders bei gegossenem Gips auf der Rückseite und der Seite, die in der Latexform war.  
  Die Mauer-Ritzen werden nach Durchtrocknung der Brücke zunächst leicht gewässert und dann mit einem spitzen Aquarellpinsel verdünnte weiße Acrylfarbe einlaufen gelassen. Die Kalkspuren und was sonst noch an den Innenseiten der Bögen an Sauce runtersickern mag, habe ich mit meinem verdünntem Spezial-Gips-Gemisch nachgebildet. Im Original sind diese Spuren ja auch teilweise erhaben auf dem Mauerwerk. Stellenweise mit verdünntem Goldocker und Umbra natur einpinseln und schon schauts aus wie echt. Ich denke, es sind nicht nur Kalkspuren, was da runtersickert, vermutlich auch Reste Allzumenschliches und das ist nicht weiß.  
  Nun erst wird die Brücke in den Modulkasten eingebaut. In diesem Falle leicht diagonal, damit's nicht zu starr wirkt. Immerhin ist das Modell ca. 115 cm lang und der Modulkasten "nur" 50 cm breit. Also hats vergleichsweise wenig Gelände um die große Brücke herum. Anschliessend habe ich auf verschiedenen Ebenen Auflageflächen für die Styrodur-Blöcke eingepasst. Ich wollte nicht den ganzen Modulkasten mit dem teuren Material auffüllen. Kabelverbindungen nicht vergessen, denn die lassen sich nachträglich bei dieser Methode nurmehr schwer einziehen. Das Gelände wurde mittels etlicher Fotos dem Original nachgebildet. Zum Glück gibt's mit Styrodur nicht das fürchterliche Gekrümel wie mit Styropor. Unter dem Brückenmodul hat es einen Leichtbau Grundrahmen – dieser ist aus optischen Gründen zurückgesetzt und von vorn bei normaler Betrachtungsperspektive nicht sichtbar. Insgesamt könnte vom Gewicht her eine Person dieses Modul alleine mit Leichtigkeit tragen, wenns nicht so sperrig wäre.  
  Und schon samma wieder bei den Rezepturen – mein Gemisch für die Geländehaut: 2 Eßlöffel Gips, 4 Eßlöffel Moltofill und 2/3 Gipsanrühr-Gummibecher mit Sägestaub. Diesen Sägestaub fange ich in meiner Kreissäge-Absaugung auf, das Kreissägeblatt hat bei 250mm Durchmesser 80 Zähne. Ein gröberes Blatt zerfetzt das Holz eher als daß es feine Schnitte macht, und es liefert das bekannte grobe Sägemehl und nicht den feineren Sägestaub. Also das Ganze mit Leim-Wasser sämig anrühren und draufgeklatscht auf's Styrodur. 2 – 3 mm Auftrag genügen. Ganz ohne Farbzugabe ergibt das einen schönen natürlichen Farbton und vor allem kann man einerseits eine schöne körnig krümelige Struktur haben – eben wie echte Erde en Miniature – andereseits, wenn man oft genug mit einem Malerspachtel drüberstreicht, auch eine ziemlich glatte Oberfläche. Für die Straße fertigte ich ein Gemisch mit weniger Sägestaub und mehr Gipsanteil.  
 

Zuvor allerdings galt es noch einige Details zu fertigen und anzubringen. So zum Beispiel den ummauerten Abfluß neben der Straße unterhalb des Wanderweges. Oder die Stützmauer an der Straße und die Schutzmauer vor Unterspülungen des Fundamentes am Pfeiler unterhalb der Straße. Natürlich nicht zu vergessen die beiden kleinen Gehäuse auf der Nordseite der Hauptpfeiler mit den Zugangstüren zu den Fundamenten. Das Bachbett ist ausgefüllt mit Albulabach-Steinchen und Sand aus der Nähe des Campingplatzes Bergün.

Das Brückengeländer sowie die Oberleitungs-Brückenmasten sind bereits gelötet. Bevor ich diese Teile jedoch einbaue, muss erst das Gleis angelötet, verlegt und eingeschottert werden. Einige Baumgerippe sind ebenfalls schon nach Orginalfotos gelötet.

Fortsetzung folgt ...

 
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