| Um es gleich vorweg zu nehmen: Es gibt viele verschiedene Konzertina-Typen und noch mehr Bezeichnungen. Das liegt daran, dass die Instrumentenbauer recht flexibel waren. Sie haben die Instrumente weiterentwickelt und sind auf die Wünsche ihrer Kunden eingegangen. Wurden weiterere Töne gewünscht, hat man geschaut, wo auf dem Griffbrett noch Platz war, Löcher gebohrt und neue Knöpfe angebracht ;-) | Die
Entwicklung der Metallzungen-Instrumente begann zu Beginn des 19.
Jahrhunderts fast gleichzeitig an verschiedenen Orten. Man kann sich also prima streiten, wer nun der eigentliche Erfinder war. |
Eine "Ur-Konzertina" (C.F. Pirner,Chemnitz, ca. 1855) Abbildung mit freundlicher Genehmigung: Harry Geuns (http://www.bandonion-maker.com) |
Carl
Friedrich Uhlig lernte in Wien eine "Handäoline" kennen, die ihm
gefiel, aber doch nicht so ganz. Er baute 1834 die erste eigene
"Conzertina", ein rechteckiges Instrument mit fünf Knöpfen auf
jeder Seite. Das Nachfolgemodell war mit den heute noch gebauten "Deutschen Konzertinas" praktisch schon identisch: Es hatte zwar noch einen quadratischen Querschnitt, aber schon 10 Knöpfe auf jeder Seite, angeordnet in zwei Fünferreihen, eine C-Dur-Reihe und G-Dur-Reihe. Allerdings nahm bei den in Deutschland gebauten Intrumenten die Anzahl der Töne rasch zu und der Querschnitt des Instruments blieb rechteckig (so wie bei der unten gezeigten Chemnitzer ). Die sechseckige Form kam erst auf, als die deutschen Konzertinaproduzenten versuchten, sich an den Erfolg der Englischen Konzertina in England anzuhängen. Die war zunächst ein Luxusprodukt für das Großbürgertum ( siehe unten ), bis Mitte des 19. Jahrhunderts die Deutschen Konzertinas als billige Alternative für jedermann auf den britischen Markt drängten. Bei diesen Export-Instrumenten war die Griffweise diatonisch wie bei Uhligs "Ur-Konzertina", die (sechseckige) Form aber der (chromatischen) englischen Wheatstone abgeschaut (deshalb nannte man eine Bauweise dieses "Zwitters" auch Anglo-German Concertina.) |
| In Deutschland selbst wurden und werden diese
sechseckigen Instrumente kaum gespielt. (Es gibt Hinweise auf eine gewisse Verbreitung an der Nordseeküste). |
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Heutige "Deutsche Konzertinas": |
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Ein einchöriges Modell von Hohner
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Eine zweichörige Konzertina aus Klingenthal
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| mp3 (82 KB) Tonleiter je zwei Oktaven C-, G-Dur |
mp3 (85 KB) Tonleiter je zwei Oktaven G-, D-Dur |
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Alle Töne einer
Deutschen Konzertina (C/G gestimmt)
(Grafik:Martin Doering, verändert KW)
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![]() Grafik: David Stephen
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| Vorweg: Eine Konzertina
ist kein Akkordeon. Wer auf einer Seite Melodie spielen will und auf der
anderen eine Akkordbegleitung, der soll gleich zum Akkordeon wechseln.
Das ist genau dafür gebaut. Aber wer will das
schon? ;-) |
| Prinzipiell gibt es drei Spielweisen: |
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Ich bin mir nicht
sicher, ob die Konzertina so gedacht war. Ich selber komme von der
Gitarre, und die spielt man genau so: Melodie zupfen ("Flatpicking"),
Akkordbegleitung (schlagen oder "Picking" nach Buchstaben über den
Noten) oder beides gleichzeitig ("Fingerstyle"), aber da muss man
arrangieren! Möglicherweise habe ich nur mein "musikalisches"
Denken auf die Konzertina übertragen.
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| Der Name "Anglo-German" deutet die Zwitterstellung dieses Konzertinatypes an: Die Form (sechseckig) und der Klang wurden der Englischen Konzertina abgeschaut, die Anordnung der Töne (diatonisch, wechseltönig) kommt von der Deutschen Konzertina. Der Klang der Anglo ist typisch englisch: Ein feiner, näselnder Ton. Die Deutsche Konzertina klingt mehr nach Akkordeon. | Die Anglo ist eine erweiterte Deutsche Konzertina. Zwei Reihen sind fast identisch, lediglich auf dem untersten Knopf der linken G-Reihe gibt es einen Unterschied. Die Anglo besitzt zusätzlich eine dritte Reihe mit je 5 Knöpfen. Sie enthält die Halbtönen, die den chromatischen C- und G-Reihen fehlen. So kann man zwar nicht gerade in allen Tonarten spielen, aber die bluenotes in C-Dur und G-Dur stehen zu Verfügung. |
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Alle Töne einer
Anglo-Konzertina (Wheatstone-System, C/G gestimmt)
(Grafik:Martin Doering) Achtung: Martin hat die internatinale Schreibweise verwendet: B wird in Deutschland als H bezeichnet ![]() ![]() |
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| Die
Englische Konzertina wurde ca. 1830 von Charles Wheatstone (London)
entwickelt. Sie wurde zunächst aus feinsten Materialien als
Luxusartikel für die Oberschicht gebaut und sollte die
"altmodische" Geige in der klassischen Musik ablösen. Es hat nicht
ganz geklappt. Erst als Mitte des Jahrhunderts billige "Deutsche" und
"Anglo-German"- Konzertinas auf den Markt drängten (siehe oben), gab es plötzlich
preisgünstigere Englische Konzertinas für das gemeine Volk. |
Die Englische Konzertina beruht
auf einem völlig anderen Prinzip als die Deutsche Konzertina. Sie
ist gleichtönig, d.h. bei Zug und bei Druck ertönt der selbe
Ton. Die Töne liegen abwechselnd auf der linken und der rechten
Seite der Konzertina: Die Töne von Noten, die auf einer Notenlinie
stehen, sind links, alle Töne von Noten, die zwischen zwei
Notenlinien stehen, sind rechts (oder umgekehrt?) Jede
Seite hat 4 Knopfreihen.
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Die
Töne der C-Dur-Tonleiter finden sich auf den inneren beiden Reihen (auf
der Abbildung die weißen bzw. roten Knöpfe), die
Halbtöne auf den äußeren beiden (auf der
Abbildung leider schwarz und schlecht zu erkennen).Während
die Deutsche und die Anglo Handschlaufen hat, wird die Englische
Konzertina an den Daumen geschnallt (Lederschlaufe links im Bild)
und mit dem kleinen Finger in dem Messingbeschlag abgestützt
(im Bild rechts neben den Knöpfen). Mit den drei
übrigen Fingern drückt man die Knöpfe, die hohen
Töne oben, die tiefen unten. |
| Wie oben bei der "Deutschen Konzertina" schon erwähnt, blieb der Querschnitt der Konzertinas in Deutschland rechteckig bzw. quadratisch. Es entwickelte sich eine Vielzahl von Typen mit unterschiedlichen Knopfanordnungen, Stimmungen, Klangfarben. | Die
bekanntesten Bauweisen sind:
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