Aparter Klangreiz
ROTHENBURG - Bach kannte das (rund 100 Jahre nach seiner Zeit erfundene) Saxophon noch nicht - oder doch? Ganz so sicher ist man nach dieser Fassung seines berühmten Italienischen Konzerts nicht mehr. Vier Jünger Adolphe Sax' holen das Optimum an Konzertanz und Klangreiz aus dem vollendet reifen und schönen Dreisätzer, der eigentlich für Klavier geschrieben wurde. Sei's drum. Hier und jetzt in der Franziskanerkirche, die sich immer mehr zum Ort des besonderen Konzerts entwickelt, ist das Saxophon-Quartett der vitalste und reichste Klangkörper, den man sich für die italienischen Momente des deutschen Kontrapunkt-Großmeisters denken mag.
 
Sein Konzert wird zum sinnlich-sinfonischen Ereignis, so als ob es seine ultimative Instrumentierung erhielte. Wie von einer Hand gespielte Tutti wechseln mit fliegenden Concertinos. Vier Saxophone erschaffen den Märchenton eines noch nicht erfundenen Orchesters, so scheint es; zauberhaft, betörend wie man das romantisch-moderne Instrument kennt, aber auch auch magisch wandlungsfähig wie im zweiten Satz, wenn sich über den langen Atemzügen der mittleren und tiefen Lagen eine zierreiche Melodie erhebt. Der Vortrag ehrt das Werk auf eine höchst lebendige Weise. Eine Steigerung erfährt diese Vergegenwärtigung Bachscher Musik im abschließenden Presto, einem pulsierenden Musik-Organismus.
 
Besondere Klasse
Ausgefallene Besetzungen haben ihren festen Platz in der Kirchenmusikreihe von St. Jakob, und meist besitzt das Schillern auch Brillanz. Das Gastspiel des "Orfeo Saxophone Quartet", eines deutsch-österreichisch-schweizerischen Profi-Ensembles, bot ein Highlight in dieser Hinsicht. Solchen Klang und solche Homogenität hört man nicht alle Tage. Mit fliegenden Ventil-Klappen erobert das bis heute im klassischen Konzertsaal eher exotische Saxophon in diesem Konzert Terrain, entledigte sich der Image-Verengung aufs vermeintliche Jazz-Instrument und den Impressionisten-Liebling, zeigte sich als Alleskönner.
  Nach dem Klang- und Kraftpaket zum Auftakt wirkte die fast einzige Original-Komposition für vier Saxophone, das "Grand Quatuor concertant' des Belgiers Jean Baptiste Singelee beinahe wie ein versonnenes Intermezzo.
 
An diesem Abend war das Saxophon überall zu Hause, im glutvollen Rhythmus des Tango-Königs Astor Piazolla und nicht minder freilich in der Musik aus der Neuen Welt, vertreten durch eine Auswahl aus George Gershwins "Porgy and Bess", an der sich die direkte Emotionalität des Instrumentes erneut ebenso hervorkehrt wie die Qualität des Quartetts, musikalische Energiefelder aufzubauen. Nebenbei beförderten die vier auch eine- Erkenntnis, die alle Diskussion über Reiz und Unreiz von Uminstrumentierungen hinter sich lässt: nämlich die, dass sich Originalliteratur nicht nur schreiben, sondern auch erspielen lässt.
Fränkischer Anzeiger - Rothenburg

'I quattro si distinguono per compattezza ed equilibrio: si coglie un organismo che suona, piú che quattro elementi distinti, l'espressione é univoca e omogenea.'
L'Eco Di Bergamo

Farbige Familie
Saxophon - Quartett Orfeo zeigt viele Gesichter
Für Klassikpuritaner ist es sicherlich eine unverzeihliche Sünde, wenn ein Streichquartett wie Dvoraks Opus 96 nicht in originaler Besetzung, sondern von Saxophonen gespielt wird, Doch, welche Überraschung, es klingt angemessen, gar prächtig. Vielleicht eignet sich das kantilenenhafte und mit Klangflächen gesättigte Werk, das der Tscheche 1893 in den USA komponierte, besonders gut für eine Bearbeitung. Saxophone jedenfalls können ihren Farbenreichtum und ihre Sanglichkeit voll ausspielen. Kein Sündenfall also, was das Quartett mit dem Namen Orfeo den Zuhörern im Kunsthaus zumutete, sondern löbliches Umfüllen von gutem alten Wein in neue Schläuche.

Sopran, Alt, Tenor, Bariton - als der Belgier Adolphe Sax das Instrument gleichen Namens 1841 vorstellte, hat er eine feine Familie mit verschiedenen, aber bestens harmonierenden Charakteren aus der Taufe gehoben. Orfeo führte das glänzend vor - weniger durch solistisches Herausstellen der Familienmitglieder, als durch die Programmauswahl.

Viel Sonores war bei erwähntem Dvorak zu hören, aber auch ein Sopransax, das sich an bisweilen anhörte wie eine Violine, ein Tenorsax, das an eine Viola erinnerte. Dann ein scharfer Schnitt zu Astor Piazzolla, dem Tango-Magier. Orfeo schafft das Unerwartete. Die melancholische Bandoneon-Seligkeit lässt sich auch mit vier Saxophonen erzeugen. Das Quartett wählt hier ebenfalls einen stimmigen Kompromiss zwischen dem Nachahmen der original verwendeten Instrumente und einem eigenen Sound-Profil. Als Zuhörer war man nun so weit, den vier jungen Männern auch die Interpretation eines gregorianischen Chorals oder eines indischen Ragas abzunehmen.

Voraussetzung für derartigen Genuss sind virtuose Instrumentalisten. Mit Jörg Maria Ortwein, Peter Gasteiger, Fabian Pablo Müller und David Rupp haben sich vier Musiker gefunden, die glänzend auf- und zusammenspielen. Erst recht erstaunlich, dass sie mitnichten aus einer Metropole stammen. Ortwein und Müller kommen aus Kempten, Gasteiger lebt im österreichischen Kitzbühel, Rupp ist Schweizer aus Sargans.

Fast überflüssig zu sagen, dass der zweite Teil des Programms quer durch Jahrhunderte und Stile ebenso überzeugte. Er bot nochmals scharfe Kontraste. Zuerst Bachs "ltalienisches Konzert wo schlanker Ton und asthetische Klarheit gefordert sind. Dann eine Gershwin-Selektion, die von "schmutzigen" Blue-Notes und fettem Sound lebt. Nach zwei Zugaben mit jazzigen Anklängen ging man mit dem wunderbaren Gefühl nach Hause, dass Musik immer wieder neu zu entdeckende Gesichter besitzt.
Kaufbeurer Zeitung

Orpheus in der Unterwelt der Taminaschlucht
Ungewohnt, aber dafür umso schöner: das Konzert des meisterhaften "Orfeo - Saxophonquartetts" im Alten Bad Pfäfers. Sie entlockten ihren Instrumenten zarte und auch kräftige, verspielte und besinnliche Töne, unüberhörbar in der Taminaschlucht verhallend, verzauberten auf besondere Weise.
Tageszeitung Bad Ragaz

Adolphe Sax hätte sich sehr gefreut
Das "Orfeo Saxophone Quartet"' mit Jörg Maria Ortwein, Fabian Pablo Müller, Peter Gasteiger und David Rupp konzertierte im lsnyer Refektorium. Musik von Bach bis Gershwin, von Singlee bis Heiner Wiberny. Veranstalter war natürlich das Kulturforum und nicht das Kulturamt. Aber wie können Außenstehende solch feine Differenzierungen erkennen, die noch nicht einmal die Einheimischen ganz begriffen haben.

Mit mehreren Spezialitäten hatte das Quartett aufzuwerten. Das war einmal die Verwendung des Instrumentes an sich. Nicht nur für Jazz-Improvisation eignet es sich, sondern auch für Kammermusik bester Provenienz. Das für Saxophone arrangiert Italienische Konzert von Johann Sebastian Bach zum Beispiel. Die Eigenwilligkeit der Interpretation zeigte sich vor allem beim langsamen Satz. Und das das nicht eine Zufälligkeit war, bestätigte sich bei der Zugabe, der berühmten "Air". Das Quartett spielte dies beiden Sätze mit einer unendliche Langsamkeit und einem Pathos sondergleichen, der eine Besucherin zu der Bemerkung veranlasste: "Die machen den Bach noch älter als er ist."

Das Saxophon wurde 1840 von dem Instrumentenbauer Adolphe Sax erfunden. Aus dem von ihm gesammelten Notenschatz originaler Literatur stammte das "Grand quatuor concertant" von Jean Baptiste Singelee (1812-1875). "Orfeo" spielte es mit Bravour, Virtuosität und fein abgestufter Dynamik. Vollends entfaltete das Quartett seine musikalisch-musikantischen Fähigkeiten bei einer reizvollen "Selection" aus Gershwins "Porgy and Bess".

Rhythmische Präzision, Schwung, nahtloses Zusammenspiel, sorgfältige, dem Wesen des Instrumentes entsprechende Klang- und Ausdrucksgestaltung: das hätte man den Musikern in das ausgelegte Gästebuch schreiben können, als sie die Stücke "Recuerdo" von Osvaldo Pugliese, "Contrabajeando" und "Adios Nonino" von Astor Piazzolla (1921-1992) zum Vortrag brachten. Zum Abschluss erklang die interessante und stimmungsvolle Komposition "Ulla in Afrika" von Heiner Wiberny. Der Beifall im beinahe überfüllten Refektorium wollte kein Ende nehmen. Aber "Orfeo" war darauf bestens vorbereitet.
Schwäbische Zeitung

Bläsermusik vom allerfeinsten wurde den Besuchern in der Ischgler Pfarrkirche geboten, eindrucksvoll und mit großer Ausdruckskraft.
Tiroler Tageszeitung

Mit übergestülpter Maske
Orfeo-Ensemble spielt Quartette von Mozart und Debussy
In der Faschingszeit verkleiden sich nicht nur Menschen, auch Musikstücken wird mitunter eine Maske übergestülpt. Jüngstes Beispiel dafür war der Auftritt des Orfeo-Quartetts in der Oberstaufener Schloßbergklinik. Dort erklangen zwei Streichquartette in einer Bearbeitung für Saxophone. Und was vielleicht aufs Erste an einen netten, aber doch belanglosen Scherz denken ließ, entwickelte sich im Verlauf des Konzertes zu einem Spaß mit Tiefgang. Denn im ungewohntem Klanggewand offenbarten die Stücke neue Facetten ihres Charakters.

Debussys Streichquartett in g-moll ist, obgleich im Repertoire vieler Ensembles, nicht gerade ein Publikumsrenner. Nach dem Vorbild César Francks aus einer motivischen Keimzelle entwickelt, verbindet es gediegenes Kompositionshandwerk mit neuartigen Satzstrukturen und behutsamen harmonischen Erweiterungen, die weniger auf krasse, denn auf subtile Reize zielen. Deshalb fühlte sich wohl auch Jörg Maria Ortwein, Gründer des Orfeo-Ensembles und Professor am Vorarlberger Landeskonservatorium in Feldkirch, bemüßigt, vor dem Spiel das Werk ein klein wenig zu entschlüsseln.

Dennoch sorgte die Interpretation für Überraschungen: Denn in der Bläser-Bearbeitung strotze die Musik nur so vor Kraft und Kühnheit. Im ersten Satz brachte Jörg Maria Ortwein (Sopran-Saxophon), Jürgen Müller (Alt-Saxophon), Peter Gasteiger (Tenor-Saxophon) und Frank Steckeler (Bariton-Saxophon) den Klang an einer Stelle fast zum Swingen, und im Scherzo schien der Rhythmus deutlich geschärft. Staccati und Triller glichen fast Vogelrufen.

Am stärksten dem Original verpflichtet schien der langsame Satz, dessen weiträumige Melodien sich eindringlich entfalteten. Interpretation dieses Andantinos prägte dann auch das Finale. Dort zeigte sich die Saxophon-Version - vielleicht deutlicher als die Streicher-Fassung komplexe Struktur auf, die von den Interpreten virtuos mit Leben erfüllt wurde.

Voller Esprit wendeten sich die Orfeos Mozarts G Dur-Quartett (KV387) zu. Pointiert wirbelte das Allegro vivace vorüber, wobei die melodischen Linien etwas kurzatmig vorüberhasteten. Tapsig, später sogar fast düster brummelte und grummelte das Menuetto, während das Andante cantabile Schönklang entfalten durfte. Das pointierte, schelmische Molto allegro erinnerte an die Stimmung des Eröffnungssatzes.

Und auch bei diesem Stück verdeutlichte die ungewöhnliche Besetzung, wie fortschrittlich sein Schöpfer an manchen Stellen komponiert hat. Wie das Maskenspiel verborgene Wesenszüge bei Menschen aufdeckt, bringt die Verkleidung eben auch bei der Musik mitunter neue Qualitäten ans Licht. Mit welch feinsinniger Klangkultur das Orfeo-Quartett dabei zu jonglieren versteht, bewies ein letztes Mal eine der Zugaben, eine duftig musizierte Polka von Johann Strauß Sohn.
Allgäuer Anzeiger und Westallgäuer Zeitung

Kammermusikalische Raritäten der Klassik, der Romantik und der Moderne servierte das ORFEO-Saxophonquartett in Thüringen. Homogenität und technische Brillanz, stets auf Blickkontakt musizieren die vier Musiker mit bestechender Affinität in der Phrasierung und der Tongebung. Ob bei der Herausarbeitung von Cantilenen, ob beim Aufbau von Clustern, ob rhythmisch akzentuiert oder melodisch geführt: stets spürt man das pulsierende Gleichgewicht des sensibilisiert musizierenden Ensembles.
Vorarlberger Nachrichten


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