Familienname Guggemos

Home

Nach oben
Geleitwort
Familienname Guggemos
Abkürzungen
Orte von A - Z

         

 

- 3 -

Der Familiennamen Guggemos

J e d e G e g e n d hatte früher i h r e eigenen c h a r a k t e r i s t i s c h e N a m e n. Besonders ausgeprägt war dies im Alpen- und Alpenvorland, wo vielfach die Gemeinden durch Berge und Höhenzüge von einander getrennt waren. Daran hat sich seit der Aufhebung der Leibeigenschaft mit ihrer Schollengebundenheit manches geändert. Die Fluktuation der Bevölkerung hat seitdem zugenommen. Ganz besonders aber hat das Zeitalter der Industrialisierung vielfach die alten Bande gelöst. Trotzdem läßt sich auch heute noch in vielen Gegenden und ganz besonders im südlichen Allgäu eine Eigenartigkeit der Familiennamen in zahlreichen Gemeinden feststellen; selbst die Einschleusung vieler Heimatvertriebener mit ihren zum Teil fremdartigen Namen hat dies nicht beseitigen können.

Zu diesen charakteristischen Namen im s ü d ö s t 1 i c h e n A 1 1 g ä u gehört der Familiennamen G u g g e m o s, in der Stadt Füssen und in den Gemeinden Rückholz, Seeg und Hopferau auch zu den häufigsten. Er ist im Südostallgäu entstanden und hat dort auch heute noch sein Hauptverbreitungsgebiet. Man findet ihn heute aber in ganz Deutschland, auch jenseits der Elbe, und auch über die Grenzen Deutschlands hinaus in den verschiedenen Staaten. Besonders zahlreich begegnet man ihm in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, während er in Afrika, Australien und Asien nur ganz vereinzelt erscheint. Die Schreibweise des Namens jedoch schwankt. Davon wird noch die Rede sein.

Der Namen Guggemos kommt vor als Ortsnamen (ON), als Flurnamen (FlN) und vor allem als Familiennamen (FN).

Als 0 r t s n a m e n erscheint er im ganzen deutschen Sprachgebiet des In- und Auslands nur 2 mal. Einmal kommt er vor in der Gemeinde Rückholz in dem ON Guggemosen, im AltLK Füssen, jetzt Ostallgäu, gelegen, und dann noch im Ort Guggemos, heute Guggemoos geschrieben, in der Gemeinde Mittelberg gelegen, die bisher zum LK Kempten gehört hat und heute dem LK Oberallgäu zugetei1t ist.

Der 0 r t G u g g e m o s e n führte zunächst den Namen "Batzengschwenden unter den Halden". Er ist, wie der Namen sagt, eine Rodungssiedlung und wohl zu Beginn der 2. großen Rodungszeit, also im 11.Jahrhundert, entstanden. Ein Alemanne Bazzo oder Bezzo hat sich mit seiner Familie und mit Gefolgschaft hier in einem Walde niedergelassen und zu roden angefangen, um Land für seine Siedlung und für einen landwirtschaftlichen Betrieb zu gewinnen. Die Siedlung wurde nach ihm, der Art der Gewinnung des Bodens und der Lage unterhalb eines Hanges "Batzengschwenden unter der Halden" benannt. Im 15. Jahrhundert gab es dort 2 Höfe und 1 Söld; heute sind dort 5 Häuser, davon 4 mit Landwirtschaft. 1455 erwarb Konrad Guggemos dort von Ritter Hans vom Stain auf Ronaberg 1 Hof; in der Folgezeit brachte er auch noch den anderen Hof und die Söld an sich. Nun bildete sich für den Ort die Bezeichung "beim Guggemos" heraus, aus der mit der Zeit der heute übliche ON Guggemosen geworden ist. Der neue ON hat den alten so vollkommen verdrängt, daß er gänzlich vergessen wurde und sich niemand in der Gemeinde Rückholz noch an ihn erinnern kann. Begünstigt wurde diese Namensänderung durch den Umstand, daß nur wenige Minuten von ihm entfernt noch ein Ort Batzengschwenden lag und heute noch liegt, was sicher auch in alter Zeit zu manchen unliebsamen Verwechslungen Anlaß gegeben hat. Feststeht, daß der ON Guggemosen für den Ort erst aufgekommen ist, als es den FN Guggemos schon längst gegeben hat. Der ON Guggemosen hat also auf die Entstehung und die Entwicklung des FN Guggemos keinen Einfluß ausüben können.

Auch der 0 r t G u g g e m o o s, in der Gde. Mittelberg gelegen, ist eine alte Siedlung und wahrscheinlich im 11. Jahrhundert entstanden. Erstmals erwähnt wird er in einer Urkunde vom "Aftermontag nach dem Wizzen sunnetag" 1372, als der Bauer "Benz Guggimos" seinen "Sedelhoff, der gehaizzen ist der Wegck und gelegen ist ze Guggimos in Mittelberger Pfarr" an seinen "Freund" Heinz Rot in Schneidbach verkaufte (Urk. im StA. Kempten). Der Ort Guggimos bestand damals wohl schon etwa 3oo Jahre. Er entwickelte sich verhältnismäßig rasch; 1556 gab es nach dem Steuerbuch der Pflege Rettenberg (HStA. Mü, HA, Neub.Abg. Lit 1311) dort bereits 2o steuergflichtige Untertanen; er war also bereits ein ansehnliches Dorf. 1621 werden dort 19 Feuerstellen erwähnt; es gab also mindestens 19 Häuser. Der 3o-jährige Krieg und vor allem die Pest von 1635 haben dem Orte stark zugesetzt. 165o lebten dort nur mehr 9 Familien und um 1700 auch erst 12. Allmählich erholte er sich wieder. Heute zählt der Ort 18 Häuser, davon 13 Bauernhöfe, und 1 Kapelle. Die Schreibweise des Namens hat geschwankt. Ursprünglich hieß er wohl Guggemos, 1372 wird er Guggimos genannt, 1538 Guggenmoß, 1556 ebenso und 165o Guggenmosen. Im vorigen Jahrhundert wurde die Schreibweise amtlich auf Guggemoos festgelegt. Hier ist nun der Namen Guggemos entstanden für den Ort und die Gründerfamilie. Von hier aus hat sich der FN Guggemos über die ganze Erde verbreitet. Dies wird in den folgenden Ausführungen noch bewiesen werden.

Es gibt bedeutende Namensforscher, die nehmen an, daß der FN Guggemos zuerst ein F l u r n a m e n war; zur Begründung ihrer Auffassung geben sie an, daß im Allgäu und in Bayern Guggemos ein häufiger FlN sei, gemeint ist wahl als Bezeichnung dort vorkommender Möser. Diese Behauptung scheint mir jedoch als sehr übertrieben. Mir ist er als FlN bei meiner langjährigen heimatgeschichtlichen Forschung bis heute nur 3 mal in alten Grundbüchern und Grundbeschreibungen begegnet. Zu Beginn des 19. Jahrh. wird in der Gegend von Loxhub, Gde. Bernbeuren ein Guggemosacker und eine Guggemoswiese erwähnt. Heute noch führen die beieinander liegenden Grundstücke den FlN Guggemos. Die Gemeinde weiß nicht, ob hier einmal ein Moos war, hält es aber nicht für ausgeschlossen. Sie weiß auch nicht, ob ein Besitzer dieses Grundstücks den Namen Guggemos getragen hat und sein Namen zum Flurnamen dafür geworden ist. Auch bei Haslach, Gde. Burggen, führte laut Freilehensbuch von 1746 ein Grundstück den FlN "im Guggemos". Heute ist dort dieser FlN nicht mehr gebräuchlich und die Gemeinde kann nicht angeben, welches Grundstück einmal diesen Namen geführt hat. Da Haslach am Haslacher See liegt, um den herum es an mehreren Stellen moorigen Grund gab und auch heute noch in eingeschränktem Umfang gibt, ist es nicht ausgeschlossen, daß eines davon früher den Namen Guggemos getragen hatte. Auffällig ist, daß der FlN Guggemos dort auftritt, wo der FN Guggemos während der Zeit ab 1450 bis 1800 nur einmal erscheint, als ein Georg Guggemos 1597 auf den Hof zu Schlüsselhub heiratet, der in der Gde. Bernbeuren liegt. Er blieb der einzige Guggemos auf diesem Hof. Das ist nun alles, was über den FlN Guggemos im Allgäu ermittelt werden konnte. Freilich ist es nicht ausgeschlossen, daß es früher mehr Möser mit dem Namen Guggemos gegeben hat und daß mit der Kultivierung mooriger Stellen auch verschiedene alte FlN verschwunden sind. Aber das eine kann doch als sichere Tatsache festgehalten werden, daß der FN Guggemos sich nicht aus dem FlN Guggemos entwickelt hat.

Der Ort G u g g e m o s liegt auf einem Höhenzug 917 m über dem Meer, also verhältnismäßig hoch und man genießt von dort aus einen herrlichen Blick vom Grünten bis zu den Ammergauern, auch auf die Zugspitze. Südöstlich vor dem Orte lag früher ein Moos von bescheidenem Umfang, von dem aber nichts mehr übrig geblieben ist. Es läßt sich nicht nachweisen, daß es einmal den Namen. Guggemos getragen hat. Die Möser unterhalb von Schwarzenberg liegen soweit entfernt, daß sie keinen Einfluß auf die Ortsnamenbildung ausgeübt haben können. Übrigens läßt sich auch für sie nicht der Name Guggemos nachweisen. Es darf daher als sicher angenommen werden, daß der Ort Guggemoos seinen Namen nicht von einem FlN Guggemos erhalten hat.

Der F a m i l i e n n a m e n Guggemos erscheint u r k u n d l i c h e r s t m a l s im Urbar des Hochstifts Augsburg von 1 3 6 6 (HSt.A.Mü. Best., Lit 365) im Ort Mittelberg in der Schreibweise Guggemos 1372 taucht er in der schon erwähnten Kaufurkunde im Ort Guggemoos auf in der Schreibweise Guggimos. Sie erwähnt neben d.em Verkäufer Benz Guggimos auch seinen Vater Hermann und seine 2 Brüder Haintz und Chuntz Guggimos. Der Vater Hermann dürfte um 13oo herum oder bald. danach geboren sein und hat sicherlich vor dem Verkäufer Benz den Hof in Guggemoos gehabt. Und er war auch kaum der erste Guggemos, der auf diesem Hof gelebt hat. Aus ihm stammen sicher auch der 1366 in Mittelberg genannte Guggemos und auch ein im nahen Nesselwang schon 14oo lebender Guggemos. Die S c h r e i b w e i s e des FN Guggemos schwankt. Wir finden Guggamos, Guggemos, Guggimos, Guggomos und Guggumos, ferner Guggenmos alle diese Namensformen bisweilen in der Mitte statt mit gg mit g od.er mit ck geschrieben. Im 18. Jahrhundert begann man auch, das Grundwort mos mit 2 o zu schreiben, wohl weil man in der Schule lernte, daß Moos mit 2 o geschriehen wird. In Nordbaden, in der Pfalz und im Rhein Maingebiet machte man aus dem -mos ein mus und so entstanden die Namensformen Guggemus, Guggenmus, verschiedentlich auch Guggumus und Cuccumus, sie alle bisweilen auch statt gg mit ck geschrieben. Besonders für die aus dem Allgäu zahlreich nach Rom ausgewanderten Guggemos wandelten sich dort der Namen zu Cuccumus. Immer ist es aber der gleiche FN; die Schreiber bei den Verwaltungstellen und die Kirchenbuchführer trugen den ihnen fremd klingenden Namen ein, wie sie ihn verstanden hatten. So kam es häufig vor, daß der Sohn den Namen anders schrieb als der Vater. Erst das Reichsgesetz vom 6.2.1875 und die Einführung der Standesämter i.J. 1876 hat hier klare Verhältnisse geschaffen. Jede willkürliche Änderung des Namens durch den Namensträger selbst oder durch weltliche und kirchliche Amtsstellen ist nun unterbunden.

Im s ü d ö s t l i c h e n A 1 1 g ä u, wo der Namen entstanden ist, ü b e r w i e g t die Schreibweise G u g g e m o s. Im AltLK Füssen kommt fast nur der Namen Guggemos vor. Von den 129 Namensträgern, die im Einwohnerbuch 1972 angeführt werden, führen 122 den Namen Guggemos; nur 3 tragen den Namen Guggenmos und 4 den Namen Guggomos. Aber der Vorfahre von letzteren führte vor 15o Jahren auch noch den Namen Guggemos. Und die 5 Guggenmos sind erst in diesem Jahr hundert von auswärts zugezogen. Im AltLK Narktoberdorf schreiben sich nach dem Einwohnerbuch 1968 von den dort angeführten 69 Namensträgern 46 Guggemos und 23 Guggenmos. Im AltLK Kempten, zu dem auch der Ort Guggemoos gehört, lebten um 1970 56 Namensträger und in der Stadt Kempten 24. Von diesen 8o schrieben sich 46 Guggemos, 2o Guggenmos und 4 Guggenmoos. In der Gde. Mittelberg zu der Guggemoos gehört; tragen heute alle den Namen Guggemoos, schreiben also ihren Namen so, wie heute die amtl. Bezeichnung des Ortes ist. In der Stadt Kaufbeuren führten um 197o von den 15 Namensträgern 7 den Namen Guggemos und 8 den Namen Guggenmos. Und im AltLK Kaufbeuren wird das Zahlenverhältnis ähnlich sein. Auch in Augsburg, wo über 2o Namensträger leben, und in München, wo gegen 5o wohnen, überwiegt clie Schreibweise Guggemos. Und selbst in den USA, wohin eine größere Zahl von Guggemos ausgewandert ist, sind mir die Adressen von 58 heute dort lebenden Familien Guggemos und nur von 28 Guggenmos bekannt. Den Namen Guggomos führen nur die Nachkommen einer Familie, die vor bald 15o Jahren den Namen Guggemos in Guggomos umgewandelt hat; heute leben ca. 1o Familien Guggomos in Deutschland. Ähnlich ist es mit dem Namen Guggumos, der nur in Mering häufiger vorkommt und sonst bloß 2 Vertreter in München und 2 in Neuburg aufweist; er ist sicher auch nur durch eine unrichtige Eintragung in der 1. Hälfte des vorigen Jahrhunderts entstanden. Die mit dem Grundwort -mus statt -mos gebildeten Namensformen erscheinen um 162o im Kraichgau und haben sich von dort aus verbreitet. Auch sie gehen sicher auf eine falsche Eintragung eines Zuwanderers aus dem Allgäu in amtlichen Papieren zurück. Einmal ist mir in amtl. Registern aus der Mitte des 16. Jahrhunderts ein "Gugck ins mos" begegnet und einmal ein "Guckinsmoß". Hingegen fand. ich bis jetzt nie den Namen Guggemoser, obwohl die Anhängung der Silbe "er" bei den von Ortsnamen abgeleiteten FN allgemein üblich war. Das eine sei jedoch noch vermerkt, daß vom 15. Jahrh. an bis ins 18. der FN Guggemos mit ß geschrieben wurde. Der FN Guggemos erscheint also unter verschiedenen Namensformen, aber alle gehen sie auf den gleiehen Ort und die gleiche Gründerfamilie zurück.

Der N a m e n Guggemos ist z w e i s t ä m m i g. Er besteht aus dem Grundwort (GW) -mos und dem Bestimmungswort (BW) gugge(n). Der Sinn des G W -m o s ist klar und eindeutig. Man versteht unter Moos ein feuchtes, sumpfiges, mit Moospflanzen bewachsenes Gelände, das in anderen Gegenden Deutschlands als Moor bezeichnet wird. Die Schreibweise mit einem o ist mittelalterlich. Mus ist eine Nebenform von Moos; der FN Guggemus hat daher den gleichen Sinn wie der FN Guggemos.

Schwieriger ist die D e u t u n g d e s B W G u g g e ( n ). Neben den schon angeführten Guggemos und Guggemosen erscheint es in den Ortsnamen Gugg, Guggen, Guggenau, Guggenbach, Guggenberg, Guggenbichl, Guggendorf, Guggenhausen, Guggenheim, Guggenland, Guggenmühl, Guggenstatt, Guggenthal, Guggenwies, Guggenwinkel, Gugger, Guggi und Gugging, ferner in den Flurnamen Guggenau, Guggenberg, Guggenbichl (-bühl), Guggenhalde, Guggenseehalde, Guggenlaich (Laich= Niederwald. mit lichten Stellen), Guggenwald und wohl auch Guggenthal und Guggenwinkel und in den Familiennamen Gugg, Guggenberger, Guggenbichler (-bühler), Guggenhauser, Guggenheimer, Guggenmaier, Gugger, Gugetzer. Manche von den angeführten Ortsnamen waren zunächst Flurnamen; als auf der Flur eine Siedlung entstand, bekam sie den FLN als ON. Auch mancher von den angeführten FN ist aus einem ON (oder aus einem ON) oder aus einem FLN herausgewachsen.

I m s ü d ö s t l i c h e n A 1 1 g ä u, wo der für die Namensbildung grundlegende Ort Guggemos liegt, sind die mit gugge(n) gebildeten Orts- und Flurnamen selten. Neben Guggemos und Guggemosen gibt es im Altlandkreis Kempten noch eine Kleinsiedlung Gugger, die aber sicher viel später entstanden ist. Die 1437 erwähnte Einöde Guggenwies bei Bernbeuren wird schon 1535 nicht mehr genannt. Der Ort Hopferau führte im Mittelalter eine Zeitlang neben dem alten Namen Au den Namen Guggenbichl. An FLN gab es in der Nähe Füssens bei Eschach einen Guggenbichl, aber heute weiß niemand mehr etwas davon. Auch bei Nesselwang gab es einen Guggenbichl, bei Attlesee eine Guggenhalde, in Rückholz eine Guggenseehalde und bei Roßhaupten einen Wald Guggenlaich genannt. Diese wenigen im Füssener Land gelegenen FLN sind alle verschwunden und niemand vermag anzugeben, wo diese Fluren lagen. Immerhin lassen die vorstehenden Ausführungen ersehen, daß das BW gugge(n) in mehreren FlN, in zahlreichen ON und auch in einer Reihe von Familiennamen erecheint. Der Sinn des BW gugge(n) ist jedoch in den einzelnen Namen verschieden. Bei Guggenberg, Guggenbichl, Guggenhalde wird guggen wohl gleich schauen sein und der Namen als Bezeichnung für eine Bodenerhebung mit schönem Ausblick dienen. Bei Guggenwald und Guggenlaich wird es sich um Wälder handeln, aus denen häufig der Ruf des Kukkucks herausschallte. In einigen steckt sicher der ahd FN Gugo. Was nun im einzelnen Fall zutrifft, wird nur der mit einigermaßen Sicherheit beurteilen können, der den Ort oder die Ortsgeschichte, die Lage, die Örtlichkeit und die alten Schreibweisen genau kennt. Die Deutung der mit gugge gebildeten Namen ist daher nicht leicht.

Dies gilt natürlich auch für den N a m e n G u g g e m o s und wir dürfen uns nicht wundern, wenn die Namensforscher ganz verschiedene Auffassungen vertreten. Da gibt es welche, die nehmen an, daß man von dem Orte, der diesen Namen erhielt, einen Blick auf ein Moos hatte und, den FN Guggemos jeder erhalten konnte, der an einem Moos Grund und Besitz hatte. Die Bezeichnung Guckinsmoß, die zweimal im 16. Jahrh. nachweisbar ist, würde also wortgetreu den Sinn des Namens angeben. Es gibt aber im deutschen Sprachgebiet viele Hunderte von Möser, an denen Siedlungen entstanden sind, aber nur eine einzige von ihnen trägt den Namen Guggemos. Und der FN Guggemos könnte bei dieser Auslegung an vielen Mösern entstanden sein. Wenn diese Auslegung richtig wäre, müßte es noch viel mehr Namensträger geben. Sie ist sicher nicht richtig; ich werde noch nachweisen, daß der FN Guggemos, gleich welcher Schreibweise, sich vom Ort Guggemos aus verbreitet hat. Wir finden ihn zunächst lange; nur um den Ort Guggemos und erst a11mählich verbreitet er sich über ganz Deutschland und darüber hinaus. Diese Deutung muß also abgelehnt werden. Guggemos ist nicht g1eich Moosgugger.

Andere vertreten die Auffassung, daß der Namen Guggemoß einem Orte zugelegt wurde, der an einem mit Bäumen bewachsenen Moose lag, in dem eine größere Zahl von Kuckucks gehaust hat und daß er a1s FN denen zuge1egt worden sei, die dort Grund und Besitz hatten. Guggemos wäre als das M o o s d e r K u c k u c k s. Aber auch hier gi1t, was oben über die Entstehung des Namens von guggen = schauen ausgeführt wurde. Es gibt unzählige Möser, in denen früher Kuckucks in größerer Zahl gehaust haben, und zahlreiche Siedlungen an solchen Mösern, die den Ortsnamen und deren Bewohner den FN Guggemos davon hätten bekommen können. Auch diese Deutung läßt sich nicht halten. Einige Namensforscher leiteten das BW gugge im Namen Guggemos her von den in fast allen Mösern wachsenden Moosbeeren, auch Rauschbeeren genannt, für die im Allgäu, wo der Namen entstanden ist, auch der Namen Gugge gebräuchlich sei. Ich habe als gebürtiger Allgäuer bis jetzt nie von meinen E1tern und besonders auch von meinen Großeltern, die um 182o geboren sind, die Bezeichnung G u g g e für M o o s b e e r e gehört, habe auch bei meinen heimatlichen Forschungen noch niemand im südöstlichen Allgäu getroffen, der die Bezeichnung Gugge für "Mosber" gekannt und gehört hat. Nur im nördlichen Allgäu konnte ich jemand finden der die Bezeichnung Gugge für Moosbeere kannte, nicht aber in der Gegend, wo der Ort Guggemos liegt, und auch nicht in seiner Umgebung. Im übrigen gilt auch hier, daß es unzählige Möser gibt, in denen die Moosbeere wächst und an vielen davon sind Siedlungen entstanden, aber nur eine einzige im deutschen Sprachgebiet trägt den Namen Guggemos. Dies muß doch zu denken geben. Und nur von diesem einen Ort hat sich der FN Guggemos über die ganze Erde verbreitet. Auch diese Lösung wird dem Namen nicht gerecht und muß abgelehnt werden.

Einige weitere Namensforscher leiten das BW Guggi von der kleinen, vor allem in Hochmooren hausenden Sumpfkröte Guggi her, die einen kuckuckartigen Ruf ausstößt, dem sie ihren Namen verdankt. Die in der schon erwähnten Kaufurkunde von 1372 gebrauchte Schreibweise, Guggimos für den Ort und die Verkäuferfamilie legt diesen Schluß nahe aber keiner von denen, die diese Meinung vertreten, nimmt auf diese alte Urkunde Bezug. Wahrscheinlich kannten sie diese gar nicht. Wer aber den Namen mit der Guggi in Verbindung bringen will, müßte zunächst nachweisen, daß es in dem beim Ort Guggemos befindlichen Moos diese gegeben hat. Ohne diesen Nachweis kann man diese Deutung nur als mög1ich annehmen. Zudem hat der Schreiber der Urkunde, der wahrschein1ich den Ort gar nicht gekannt hat, diese Schreibweise willkürlich gewählt; dafür spricht die Tatsache, daß der 1. Träger des Namens, der sicher auch von dort kam und im nahen Mittelberg wohnte, den Namen Guggemos geführt hat. Und wiederum muß auch hier hervorgehoben werden, daß es zahlreiche Möser gibt und gegeben hat, in denen die Guggi gehaust hat, und an vielen davon sind Siedlungen entstanden, aber im ganzen deutschen Sprachgebiet gibt es nur eine einzige, die den Namen Guggemos erhalten hat. Und hier ist auch der FN Guggemos entstanden und von hier aus hat er sich über die ganze Erde ausgebreitet.

Das also sind bis heute die Deutungen des ON und FN Guggemos. Sie alle befriedigen nicht und müssen abgelehnt werden. Es spricht zu viel gegen sie. Als Träger des Namers habe ich lange und viel darüber nachgedacht und auch eine Lösung gefunden, die ich als die allein richtige ansehe. Zu Beginn der 2. großen Rodungszeit, also wohl im 11. Jahrh. kam ein Alemanne mit dem Namen Gugo oder Gogo auf der Suche nach einer günstigen Niederlassungsmöglichkeit mit seiner Famile in die Gegend, wo heute der Ort Guggemos liegt. Es gefiel ihm dort auf dem hochgelegenen Platz mit der schönen Fernsicht und der Sonnenbestrahlung während des ganzen Tages. Er errichtete sich hier am Rande eines sicher nicht sehr aus gedehnten Mooses ein Haus für seine Familie und begann den Wald zu roden zur Gewinnung von Siedlungsland für einen landwirtschaftlichen Betrieb. Die in der Umgebung bereits lebenden Alemannen nannten ihn den Gugo am Moos, Woraus mit der Zeit Guggemos wurde. Der Siedlung, die er geschaffen hatte, gaben sie den Namen Guggemos, benannten sie also nach dem Siedler und der Lage seiner Siedlung. Der Namen Gugo scheint unter den Alemannen in unserer Gegend verhältnismäßg selten gewesen sein. Er ist die Kurzform eines ahd. FN, etwa Guggenhart, Gugginhart, Guggenbert oä. Der FN des Ursiedlers und die Lage der von ihm errichteten Siedlung haben also dem Siedler den FN und seiner Siedlung den ON Guggemos eingebracht. Wir finden die gleiche ON Bildung im Ostallgäu nochmals im ON Geisenmos in der Gemeinde Bernbeuren die die Siedlung des Giso am Moos; sie wird erstmals erwähnt im bischöfl. Urbar von 1316.

1o von den mir bis jetzt bekannten 16 G u g g e m o s w a p p e n, von denen das älteste 143o von Kaiser Sigmund und das 2. um 147o von Kaiser Friedrich III. verliehen sein soll- Wappenbriefe können für sie nicht nachgewiesen werden-, haben sich mit der Deutung des Namens im Wappen versucht. Sie knüpfen an das GW Moos an und bringen Rohrkolben oder Schilfgras. In anderen Wappen soll eine schwimmende Ente oder ein schwimmender Schwan auf das Moos hinweisen. An das BW Gugge wagen sich nur 4 heran; sie bringen einen Vogel im Wappenschild oder oben zwischen 2 Hörnern oder auch den Vogel im Schild und oben. Er soll einen Kuckuck darstellen. Diese Wappen vertreten also die Ansicht, daß das BW Gugge sich von Kuckuck herleite. Trotz dieses Versuchs tragen also die bis jetzt bekannter Wappen zur Klärung des BW Gugge nicht bei. Der Versuch zu einer Lösung des BW muß jedoch anerkannt werden.

Es wurde schon erwähnt, daß der F a m i l i e n n a m e G u g g e m o s sich v o m 0 r t G u g g e m o s a u s v e r b r e i t e t hat und daß dieser Ort die Urheimat aller Träger des Namens Guggemos ist, gleich wie ihn der einzelne Namensträger heute schreibt. Dort ist der FN Guggemos bereits 1372 angeführt in der Urkunde, die Benz Guggimos über den Verkauf eines ihm gehörenden Hofes im Ort Guggimos hat ausfertigen lassen. Die Urkunde erwähnt neben den Brüdern des Verkäufers Haintz und Chuntz auch seinen Vater Herman Guggimos. Dieser wird wie schon erwähnt um 13oo oder bald danach geboren sein und hat sicher auch in Guggemos gelebt. Man darf wohl auch als sicher annehmen, daß die in der Urkunde genannten Guggimos Nachfahren des Ursiedlers Gugo sind 1366 wird im bischöfl. Urbar (HStA, Mü, HA. Mü Best.Lit 365) in Mittelberg, wohin damals auch Guggemos in die Pfarrei gehört hat, ein Guggemos ohne Vornamen erwähnt und dies ist bis jetzt der erste urkundlich bekannte Guggemos. Sicher kam er vom Ort Guggemos. Es darf angenommen werden, daß es in der 2. Hälfte des 14. Jahrh. noch an weiteren um Guggemos gelegenen Orten Träger des Namens Guggemos gegeben hat. Leider sind nur verhältnismäßig wenig Urkunden aus dieser Zeit erhalten geblieben.

Im 15. Jahrhundert finden wir Guggemos schon in Amberg/ Seeg, Bachtel/Mittelberg, Batzengeschwenclen unter der Halden (= Guggemosen), Dederles/Seeg, Eiterberg/Rückholz, Enzenstetten/Seeg, Geisenried, Guggemos, Haag/Mittelberg, Kempten, Leuterschach, Lobach/Seeg, Mittelberg, Muelen (Mittelberg, ist abgegangen), Nesselwang, Oberdorf, Rainen/Mittelberg, Rückholz, Seeg, Seeweiler und Thalhofen. Es sind 21 Orte; alle liegen in der Nähe des Ortes Guggemos, davon 6 in der Pfarrei Mittelberg, 1o in der damals bestehenden Großpfarrei Seeg in den beiden heutigen Gemeinden Seeg und Rückholz und 4 in der Gegend von Marktoberdorf. Sicher gab es noch mehr Orte mit Guggemos im südöstl. Allgäu, doch fehlen mir bis jetzt darüber urkundliche Nachweise.

Im 1 6. J a h r h u n d e r t nimmt die Zahl der Orte mit Guggemosfamilien stark zu. Im Gebiet des AltLK Füssen lassen sich jetzt Guggemos in 72 Orten nachweisen; davon liegen 48 in den heutigen Gemeinden Rückholz und Seeg; an manchen Orten lebten bereits 3-4 Familien. Im AltLK Marktoberdorf lebten jetzt Guggemos urkundlich nachweisbar an 19 Orten. In Wirklichkeit wird die Zahl höher sein; im AltLK Kaufbeuren konnte ich sie bis jetzt nur an 4 Qrten ermitteln und im AltLK Kempten, zu dem der Ort Guggemos gehört, lassen sie sich an 7 Orten und in der Stadt Kempten nachweisen. Einige Namensträger zogen aber jetzt auch schon weiter hinaus, so nach Augshurg, Landsberg, Weilheim und ein Ambros Guggemos aus Haag ließ sich l545 als Bäcker in Hall nieder. Sicher haben noch weitere damals die engere Heimat verlassen und sich in der Fremde irgendwo niedergelassen, wo sich gute Verdienstmöglichkeiten fanden oder wo sie einheiraten konnten. Aber die überwiegende Mehrzahl blieb im Ostallgäu.

Erst im 1 7 . J a h r h u n d e r t verließen Guggemos in zunehmender Zahl das süd.östl. Allgäu und zogen hinaus in die weite Welt. Schon bald nach 16oo treffen wir Guggemos in München; 1613 ließ sich Gall Guggemos aus Weißensee dort nieder. Auch ins Elsaß kamen sie, nach Nordbaden und Mainz. Bald schon treffen wir Guggemos auch in Innsbruck und Matrei, Wien uncl Prag. In Rom tauchen sie ebenfalls bald nach 16oo auf; mindestens 6 Guggemos haben sich im 17. Jahrhundert dort niedergelassen, meist Lautenmacher und Bäcker, und dort führen sie sehon bald clen Namen Cuccumus. Im 18. Jahrh folgte ihnen noch mehr als ein Dutzend dorthin nach. Verschiedene von ihnen brachten es dort zu Wohlstand und Ansehen. Der bekannte italienische Philosoph Pietro Gasconi hat eine Camilla Guggemos als Mutter. In Deutschland tauchen nun in vielen Gegenden Guggemos auf.

Als im 19. Jahrh. die A u s w a n d e r u n g nach Nordamerika einsetzte, machten viele Guggemos mit. Mir sind über 3o Guggemos bekannt, fast alle aus dem südöstlichen Allgäu, die damals in den USA sich niedergelassen haben. Die Zahl der aus gewanderten Guggemos ist aber sicher noch wesentlich höher. Heute leben Guggemos in allen 5 Erdteilen. Bekannt sind mir z. Zt. 1 in Asien (in Tailand), 2 in Australien (in Sidney), in Afrika und über 8o in Amerika, davon je 1 in Venezuela und in Kanada, die anderen alle in den USA.

Hauptverbreitungsgebiet ist aber auch heute noch das südöstliche Allgäu. Wie schon erwähnt, weist das Einwohnerbuch 1972 für den LK Füssen 129 Guggemos-Einträge auf, das Einwohnerbuch 1968 für den LK Marktoberdorf in 29 0rten 69 Familien, das Einwohnerbuch 1965 für den LK Kaufbeuren 29 und für den LK Kempten von 1971 35 Familien Guggemos verschiedener Schreibweise. Daneben sind die Guggemos noch zahlreich vertreten in den Städten Kempten, Kaufbeuren, Augsburg und München, wo das Telefonbuch 55 Guggemos mit 6 verschiedenen Schreibweisen anführt, die tatsächliche Zahl aber wesentlich darüber hinausgehen wird. Im Südostallgäu gibt es nur wenige Familien, die nicht eine ocler mehrere Linien Guggemos unter ihren Vorfahren haben, wenn die Ahnen auch nur eines Ehegartners schon seit längerer Zeit dort ansässig sind. Außer dem südöstlichen Allgäu sind die Guggemos häufiger anzutreffen in Mittelschwaben, im Ammerseegebiet, in Garmisch-Partenkirchen, in Nordbaden und im Rheinmaingebiet. Überall sonst erscheinen sie nur vereinzelt.

Es kann kein Zweifel bestehen, daß alle Guggemos, sie mögen ihren Namen schreiben, wie immer sie wollen, N a c h f a h r e n des Gugo am Moos sind, der sich im 11. Jahrh. auf dem Höhenzug bei Oy niedergelassen hat, und daß, letzten Endes ihre U r h e i m a t der von ihm gegründete 0 r t G u g g e m o s ist. Der Nachweis der Abstammung von ihm wird jedoch keinem gelingen, da hierfür die archivalischen Unterlagen fehlen. Immerhin kann, wer Glück hat, bis gegen 14oo zurückkommen. Bis 145o wird es schon einer größeren Zahl von Forschern gelingen. Damals waren die Guggemos schon in mehrere S t ä m m e aufgespaltet.

Die G u g g e m o s w a r e n von jeher B a u e r n und sind es auch heute noch zu einern großen Teil. Doch gab es unter ihnen immer auch zahlreiche Handwerker und heute sind sie im Handwerk gut vertreten; wir finden sie in allen möglichen Handwerkszweigen. Früher übten sie vielfach das Handwerk neben der Landwirtschaft aus. Auch Müller und Gastwirte sind unter ihnen stark vertreten.

Sie haben aber auch stets zahlreiche g e i s t i g e u n d k ü n s t 1 e r i s c h e B e r u f e hervorgebracht und damit dem kulturellen Leben gedient. Auffällig ist die hohe Zahl von Priestern aus Guggemosfamilien. Ich konnte bis jetzt 37 Geistliche feststellen, teils Welt- teils Klostergeistliche und unter letzteren mehrere Äbte und 1 infulierten Propst. Ärzte konnte ich bis jetzt 1 Dutzend ermitteln. Die Rechtswissenschaft scheint bei den Guggemos weniger beliebt gewesen zu sein; so sind bis jetzt nur 6 bekannt geworden, die teils als Richter teils in der Verwaltung tätig waren. 2 von ihnen waren auch eine Zeitlang als Hochschullehrer angestellt. Mehrere Guggemos waren Schulmeister, Lehrer und Professoren. In der mittelalterlichen Verwaltung treffen wir sie da und dort als Amtmänner und als Richter in den Dorfgerichten und heute ist eine größere Zahl von ihnen im unteren, mittleren, gehobenen und höheren Dienst beim Staat und bei Gemeinden, bei der Post und der Bahn tätig. Im Handel jedoch sind sie nur selten zu finden.

Mehrere Guggemos haben ejnen guten Ruf erworben als Baumeister, Maler, Bildhauer und auch a1s A 1 t a r b a u m e i s t e r. Es wäre reizvoll, alle die anzuführen, die sich in der Kunst auf irgend einem Gebiete hervorgetan haben, es würde jedoch zu weit führen. Es muß daher in diesem Zusammenhang darauf verzichtet werden. Die Musik haben wohl alle Guggemos geliebt; berufsmäßig mit ihr befaßt haben sich nur wenige. Kompositionen besonders von Liedern liegen von mehreren vor. Als Organist besitzt zur Zeit der junge Anton Guggemos aus Wildsteig einen guten Ruf. Im Domchor von Passau gab es zwischen 1677 und 174o 4 Guggemos als "Cantoren". Mehrere waren Lauten-, Geigen- und Orgelbauer. S c h r i f t s t e l 1 e r auf Fachgebieten gibt es eine Reihe. Auf dem Gebiet der Belletristik genießt zur Zeit Josef Guggenmos aus Irsee als Jugendschriftsteller großes Ansehen.

Auch die T e c h n i k hat unter den Guggemos viele Freunde. Manche haben sich im Laufe der Zeit mit ihr befaßt. So errichtete 1761 Philipp Guggemos in Rom die 1. Porzellanfabrik; seinen Posten als Hauptmann bei der Schweizer Garde gab er auf. Johann Georg Guggenmos aus Haldenwang konstruierte nach dem Krieg 187o/71 das 1. Hochrad in Schwaben, mit dem er manche größere Reise unternahm.

Mehrere Guggemos besitzen einen guten Namen im S p o r t. Schon vor bald 4o Jahren erwarb eine Guggemos als Schiläuferin einen Preis. Guggemos Wilhelm aus Füssen gehört zu den besten Segelfliegern und 2 Guggenmos aus Kaufbeuren haben 1976 erste Preise als Drachenflieger erworben. Auf fast allen anderen Gebieten des Sports taten sich Guggemos hervor.

Die Tätigkeit mancher Guggemos fand ö f f e n t 1 i c h e A n e r k e n n u n g. So wurden die Nachkommen von Gallus Guggemos aus Weißensee, der selbst und dessen Söhne lange Zeit hindurch den Kurfürsten von Bayern treu gedient hatten, 1693 g e a d e l t und 1723 in den Freiherrenstand erhoben. Konrad Kukumus aus Mainz, der 1832 seines Postens als Professor für Staatsrecht und als Rektor der Universität Würzburg enthoben wurde, wohl weil er gegen revolutionäre Unruhen der Studenten nicht energisch genug aufgetreten ist, wurde einige Jahre später zum Richter am Oberappellationsgericht in Neuburg/Donau bestellt; er vertrat 1848 den Kreis Günzburg-Nördlingen als Abgeordneter im Nationalrat in der Paulskirche in Frankfurt. 186o wurde ihm in Anerkennung seiner Verdienste der Bayer. Kronenorden und damit der persönliche Adel verliehen. Sein Bruder Georg war Vizedomamtsadvokat in Aschaffenburg. 3 Guggemos wurden durch S t r a ß e n b e n e n n u n g geehrt. Die Stadt Mainburg nannte eine ihrer schönen alten Gassen Guggemosgasse zum Dank für die adelige Familie Guggemos, von der mehrere durch 1oo J. in ihr als kurfürstliche Pfleger tätig gewesen waren und manches für die Stadt getan hatten. Die Stadt Heidelberg widmete dem aus Bretten stammenden, aber auf seinem landwirtschaftlichen Gut Handschuhsheim lebenden Stefan Guggenmus (1739-1778) eine Guggenmus-Straße für seine Verdienste um die Pfälzer Landwirtschaft. Er war Theologe; sein Lebenswerk galt der Reform der Landwirtschaft in der Kurpfalz. Die Stadt Salzburg ehrte den Lehrer Gottfried "Guggemos", aus Bachtal am Auerberg gebürtig, mit einer "Guggenmos-Straße". Er gründete 1816 das 1.Schwachsinnigenheim in Hallein und verlegte es 1829 nach Salzburg. Für dies damals einzigartige soziale Werk erwies ihm die Stadt diese Ehrung. Wenn ich nun noch erwähne, daß mir l971 die Bundesrepublik Deutschland für meine heimatgeschichtlichen Forschungen das Bundesverdienstkreuz am Bande und die Gemeinde Rückholz 1963 das Ehrenbürgerrecht für die Verfassung der Geschichte von Rückholz verliehen hat, so bitte ich mir dies nicht als Unbescheidenheit auszulegen. Z u s a m m e n f a s s e n d sei als Ergebnis dieser namensgeschichtlichen Studie festgestellt:

    1. der ON und der FN Guggemos hat sich im 11. Jahrh. aus dem FN des Alemannen Gugo und aus der Lage der von ihm an einem Moos errichteten Siedlung herausgebildet.
    2. Vom Ort Guggemos haben sich die Guggemos zunächst in der näheren Umgebung verbreitet; das Niederlassungsgebiet hat sich immer mehr geweitet und heute finden wir Guggemos in allen 5 Erdteilen.
    3. Die Verschiedenheit der Schreibweise haben meist nicht die Namensträger verursacht, sondern die grund- und landesherrlichen Beamten am Niederlassungsort bei der Eintragung des ihnen noch nicht bekannten Namens in die Urbare, Steuer- und Abgabenbücher, und die Pfarrer bei der Eintragung in die Matrikelbücher.
    4. Die Urheimat aller Träger des Namens gleich welcher Schreibweise ist also der Ort Guggemos, der Stammvater aller Guggemos cler Alemanne Gugo, der sich am Moos niedergelaasen hat. " Unser Familienname ist ein Schatz, den wir ererbt und den wir mit Ehren weiterzugeben hoffen, ein Erbstück, auf das wir so eitel sind, daß es uns unargenehm berührt, wenn jemand auch nur einen Buchstaben daran ändert oder ausläßt ", so schreibt der Germanist und Namensforscxer Dr. Kaspar Linartz. Und Goethe, unser großer deutscher Dichterfürst, nahm es dem Dichter und Sprachforscher Joh. Gottfried von Herder zeitlebens übel, daß dieser sich einmal über seinen Namen einen nach seiner Ansicht unpassenden Scherz erlaubt hatte. Er hielt den FN für etwas Heiliges und Unantastbares. So dürfen und wollen auch wir stolz sein auf unseren Namen, den unsere Vorfahren durch Jahrhunderte in Ehren getragen haben, ihn hochhalten und unversehrt weitergeben an unsere Nachfahren, damit sie ihn durch Jahrhunderte in Ehren weitergeben.